30.03.2021

Versailler Tafelböden auf „Sächsische Art“

Jahrzehnte währte der Wiederaufbau des Residenzschlosses in Dresden – den Abschluss markierte die Rekonstruktion der Paraderäume: Parkett Kleditzsch rekonstruierte für die barocken Prunkgemächer ein Versailler Tafelparkett auf „Sächsische Art“, bei dem die Diagonalfriese in den Tafeln bis zur Außenecke durchlaufen. Mit der Errichtung eines Kastells beim Georgenbau zum Schutz der steinernen Elbbrücke reicht die Historie des Dresdener Schlosses um das Jahr 1230 zurück. Jahrhundertelange Erweiterungen mit Um- und Neubauten in verschiedenen Baustilen machten es zum kurfürstlichen Residenzschloss. Nach einem Brand im Westflügel im Jahr 1701 wurden die Räumlichkeiten im zweiten Obergeschoss nach Entwürfen von Matthäus Daniel Pöppelmann und Raymond Leplat gestaltet. 1945 sollte das gesamte Schloss fast vollständig den Flammen zum Opfer fallen. Seit der Beräumung der Ruine 1946 dauerten die Sanierungsarbeiten über Jahrzehnte an. Zum Abschluss stand schließlich die Rekonstruktion der Paraderäume an. Sie zeigen im Ausstellungsrundgang die barocke Raumgestaltung als Prunk- und Audienzgemächer. Durch den hohen Zerstörungsgrad der Schlossgebäude ist die Wiederherstellung der Paraderäume als Rekonstruktion zu werten, die nach vorhandenen Resten der Räume und historischen Quellen zur Raumfassung erfolgte. Im August 2010 wurde eine Probefläche zur Wiederherstellung angelegt, dafür fertigte Parkett Kleditzsch ca. 40 m2-Parketttafeln mit Fensternische, Kamineinfassung und Wandfriesen. Bei Beginn der Rekonstruktion der barocken Raumfassungen befanden sich die Räume im Rohbau, mit Wänden aus Sandstein- und Ziegelmauerwerk sowie Decken aus Stahlbeton. Die Fenster waren eingebaut, ebenso ein Heizestrich. Zu den Paraderäumen zählen der Eckparadesaal, das Paradeschlafzimmer mit 1. und 2. Retirade, das Audienzgemach mit 1. und 2. Vorzimmer, das Kleine und Große Bilderkabinett sowie zwei Ecktürme. In allen Räumen wurde auf einer Fläche von ca. 1100 m² Versailler Tafelparkett verlegt. Zur Rekonstruktion der Flächen wurden Pläne und Fotos aus einem Umbau im 19. Jahrhundert herangezogen. Bauseitige Vorarbeiten Die Arbeiten begannen mit dem Abschleifen der Sinterschicht vom Calciumsulfatestrich und dem Abfräsen der Estricherhöhungen. Alle Flächen wurden mit einer Gipsspachtelmasse bis zur Sollhöhe aufgespachtelt. Zum Verlegen der Parketttafeln wurden die Raumachsen ausgemessen und die Maßlinien auf dem Untergrund aufgerissen. Dabei war die Lage der geplanten Bodentanks so zu positionieren, dass diese in ihrer Ausrichtung und Höhe genau unter einem Tafelfüllungsquadrat liegen. In dieser Position wurden die Bodentanks mit einem Epoxidharz-Quarzsandgemisch befestigt. Fertigung der Tafeln nach Beispielen des 18. Jahrhunderts In allen Räumen wurde ein Versailler Tafelparkett auf „Sächsische Art“ verlegt, bei dem als Unterschied zum originalen Versailler Tafelparkett die Diagonalfriese in den Tafeln bis zur Außenecke durchlaufen. Die Parketttafeln wurden aus Einzelteilen montiert, die in einen dreischichtigen Aufbau mit D3-Leim kreuzweise verleimt werden. Alle Deckschichten wurden aus 30 mm dicken Eichenbrettern geschnitten. Die Mittellagen und Gegenzüge wurden ebenfalls aus Eiche hergestellt. Alle Hölzer wurden künstlich auf 8 +/-2 % Holzfeuchte getrocknet. Die Tafelböden wurden nach Beispielen des 18. Jahrhunderts und nach Zeichnung gefertigt. Die Umfänge: ca. 740 m2 in den Maßen 113 x 113 cm und ca. 390 m2 in den Maßen 118 x 118 cm. Darüber hinaus fertigte Kleditzsch Parketttafeln nach Vorgabe in Sondermaßen für zwölf Türnischen, sieben Fensternischen und zwei Türdurchgänge. Nachträglich kam im Großen Bilderkabinett noch eine Podestfläche für den Krönungsornat August des Starken zur Ausführung, dafür mussten zwölf Parketttafeln und Friesbretter gefertigt werden. Als Abschluss um die Parkettfläche, für Fenster- und Türnischen kamen Randbretter in verschiedenen Breiten hinzu, ebenfalls aus Eiche und im dreischichtigen Aufbau. Alle Parketttafeln wurden als A- bzw. B-Tafeln hergestellt, so dass die Innenteile der Tafeln immer gleich sind und in derselben Richtung liegen, sich die gegenüberliegenden Außenfriese aber an den Ecken als Winkelfriese abwechseln. So bilden die vier zusammenstoßenden Tafeln auf der Fläche an ihren Kreuzungspunkten eine „Windmühle“. Drei Materiallieferungen waren für die Deckschichten in einem im Umfang von ca. 60 m³ notwendig, das Holz für die Unterschichten wurde bei Bedarf bei örtlichen Holzhändlern nachgeordert. Nach dem Auftrennen der Deckschichten erfolgte eine erste Sortierung der Qualität, dann der Zuschnitt in die verschiedenen Breiten für die Friese und für die Würfel. Nun wurden die Lamellen auf eine gleichmäßige Dicke gehobelt. Nach dem dreischichtigen Verleimen, bei dem die Holzrichtung der Unter- und Decklagen längs, die der Mittellage quer verarbeitet wurde, erfolgte eine nochmalige künstliche Trocknung auf eine einheitliche Holzfeuchte von 8 %. Die Deckschichten wurden mittels Finiermaschine oberseitig abgezogen. Danach erfolgten der Zuschnitt längs zu Fries- und Würfelbreiten und das Längsnuten. Alle in einer Parketttafel optisch durchlaufenden Friese wurden in den Einzelteilen auf je ein Brett aufgezeichnet und zusammenhängend für die Montage gekennzeichnet. Die Würfel und Friese wurden zugeschnitten und an den Stirnseiten genutet. Für die Montage der Einzelteile zu fertigen Parketttafeln wurden Fremdfedern aus Nadelholz geschnitten. Alle Würfel wurden rundherum gefedert, die Friese an den Stirnseiten. Die Einzelelemente wurden leimfrei zu Parketttafeln zusammengesteckt und rückseitig geklammert. Durch das Kennzeichnen der Frieselemente wurde bei der Montage die Optik von ineinander verflochtenen Friesen erzeugt. Das Beschneiden der Parketttafeln und ringsum Nuten beendete die Werkstattarbeit. Einbau der A- und B-Tafeln im Wechsel Parkett Kleditzsch verlegte jeweils im Wechsel A- und B-Tafeln nach Verlegeplan. Zum Verkleben der Tafeln auf dem Estrich kam ein 2K-PU-Kleber zum Einsatz. Alle Tafeln und Friese sind durch Fremdfedern miteinander verbunden. Den Abschluss zur Wand bilden individuell angepasste Friesbretter, die mit einem 1K-PU-Kleber geklebt wurden. Um die Aussparungen für die Bodentanks herzustellen, wurden in extra gekennzeichneten Tafeln einzelne Würfel ausgespart und Alurahmen eingepasst. Die dazugehörigen Würfel wurden 1 mm schmaler geschnitten und auf dem angepassten Aluprofil aufgelegt. Nun stand noch ein minimales Verspachteln der verlegten Parkettfläche und ein Abschleifen dieser Stellen an. Anschließend wurden alle Flächen mit der Klinge abgezogen und mit einem Schleifpad abgepaddet. Für die abschließende Oberflächenbehandlung wählte Parkett Kleditzsch ein Hartwachsöl mit Härterzusatz, das zwei Mal aufgetragen wurde. ila
Versailler Tafelböden auf „Sächsische Art“
Foto/Grafik: Parkett Kleditzsch
Parkettverlegung im Audienzgemach.
Versailler Tafelböden auf „Sächsische Art“
Foto/Grafik: Parkett Kleditzsch
Verlegung der angepassten Friese.
Versailler Tafelböden auf „Sächsische Art“
Foto/Grafik: Parkett Kleditzsch
Abziehen mit der Ziehklinge.
Versailler Tafelböden auf „Sächsische Art“
Foto/Grafik: Parkett Kleditzsch
Oberflächenbehandelte Parkettfläche in einem Eckturm.
Versailler Tafelböden auf „Sächsische Art“
Foto/Grafik: Parkett Kleditzsch
Das fertig rekonstruierte Audienzgemach.
Versailler Tafelböden auf „Sächsische Art“
Foto/Grafik: Parkett Kleditzsch
Das Kleine Bilderkabinett.
Versailler Tafelböden auf „Sächsische Art“
Foto/Grafik: Parkett Kleditzsch
Residenzschloss Dresden.
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