06.02.2026

Unilin: CEO Messiaen weg, De Cock kehrt interimistisch zurück

Paukenschlag in der belgischen Branche: Unilin-CEO Wim Messiaen hat den Bodenbelags-, Holzwerkstoff- und Dämmmaterialienhersteller überraschend Anfang Februar verlassen. Gründe für seine Demission werden nicht genannt. Interimistisch übernimmt Paul De Cock, COO der US-amerikanischen Unilin-Mutter Mohawk und Vertreter einer der Gründerfamilien, die Führungsspitze des Unternehmens. Nach Medienberichten aus Belgien hatte der 52-Jährige einem internen Schreiben die Abberufung von Messiaen mit sofortiger Wirkung eröffnet und zugleich mitgeteilt, dass er als CEO zurückkehrt und künftig seine Zeit zwischen Belgien und den USA aufteilen wird.

Die Zeitungen melden weiter, dass Insider von einer „explodierten Bombe“ und einem „Spektakel wie in einem griechischen Drama“ in Wielsbeke sprechen. Der hochgelobte Wim Messiaen war im Februar 2024 als Nachfolger des renommierten, erfahrenen Bernard Thiers bei Unilin angetreten, der fast 40 Jahre lang in verantwortlichen Positionen für das Unternehmen gewirkt hatte. Von seinem unmittelbaren Umfeld sei Messiaen nicht gerade mit offenen Armen empfangen worden, heißt es weiter. Dass er sich mit seinem Büro im „Elfenbeinturm“ einrichtete, habe ebenfalls nicht zur Verbesserung der Beziehungen beigetragen. Und schließlich hätten auch die wirtschaftlichen Ergebnisse enttäuscht.

Das veranlasste Mohawk offenbar, die Notbremse bei seiner europäischen Tochter zu ziehen, die maßgeblich die Divsion „Rest of the world“, d.h. das Geschäft außerhalb Nordamerikas bestimmt und den charismatischen Paul De Cock als Zwischenlösung einzusetzen, bis ein neuer CEO für Unilin gefunden ist. Er kennt das Unternehmen nicht nur von klein auf, sein Vater Frans de Cock, eine Legende in der Bodenbelagsindustrie, hatte Unilin von einem lokalen Flachsverarbeiter zu einer international agierenden Gruppe aufgebaut, sondern war von 2008 bis 2018 bereits erster Mann für den Bereich Bodenbeläge in Wielsbeke. Dann holte ihn Mutter Mohawk in die USA, betraute ihn zunächst mit der Verantwortung für das Geschäft in Nordamerika und berief ihn 2024 zum COO.

Unilin war Ende der 60er Jahre unter anderem von den westflämischen Familien De Cock und Thiers gegründet worden. 2005 verkauften sie die Gruppe an Mohawk, mit aktuell 10,8 Mrd. USD (ca. 9,2 Mrd. EUR) Umsatz der weltweit größte Bodenbelagshersteller. 2024 erzielte Unilin mit 7.800 Mitarbeitenden einen Umsatz von 2,6 Mrd. EUR.
Unilin: CEO Messiaen weg, De Cock kehrt interimistisch zurück
Foto/Grafik: EPLF
Paul De Cock
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